Lehrling arbeitet in einer Werkstatt
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23.2.2026

Lehrstellenlücke wächst – Qualität kommt nicht vom Fleck

2025 erreichte die Lehrausbildung einen historischen Tiefstand: 27.546 Jugendliche starteten ins erste Lehrjahr – rund 10.000 weniger als 2005. Gleichzeitig suchen 24.506 Jugendliche eine Lehrstelle, während nur 5.963 Stellen offen sind. Die wachsende Lücke erfordert bessere Vermittlung und mehr Engagement der Betriebe.

Warteschleife statt Werkbank

jeweils Ende Jänner; Jugendliche ohne Lehrstelle im Betrieb = derzeit lehrstellensuchend plus Jugendliche in AMS-Schulung plus Jugendliche in überbetrieblicher Ausbildung

Grafik
© Arbeitsmarktservice, WKÖ, eigene Berechnung


Ausbildung auf Standby

Seit 2023 keine Verbesserung: Drei Viertel der Befragten berichten, dass es keine regelmäßige Dokumentation ihrer Ausbildung gibt oder sie nichts davon wissen. Zwei von fünf erhalten keine regelmäßigen Feedbackgespräche – ebenso viele verrichten ausbildungsfremde Tätigkeiten.

Vom Lehrling zum Laufburschen

Viele Lehrlinge werden für private Zwecke ihrer Vorgesetzten eingesetzt, z. B.:

  • Einkäufe erledigen, Auto putzen, Pakete ausliefern (Einzelhandel)
  • Haus ausmalen oder spachteln (Tischlerei)
  • Einkäufe oder Hausaufgaben erledigen (Großhandel)

Die Betroffenen erkennen den Missbrauch klar – das demotiviert erheblich.

Überstunden statt Ausbildung

Lehrlinge sollten nur ausnahmsweise Überstunden leisten – unter 18-Jährige dürfen laut österreichischem Recht gar nicht länger arbeiten. Betriebe sind verpflichtet, Arbeitsstunden zu dokumentieren. Trotzdem arbeiten 24 Prozent der Lehrlinge regelmäßig über ihre Grenzen hinaus, oft ohne Ausgleich – unter 18-Jährige ebenso wie Ältere. Bei 19 Prozent gibt es keine Arbeitszeitaufzeichnungen.

Schikanen am Lehrplatz: Jeder Dritte betroffen 

37 % der Lehrlinge wurden schon beleidigt, belästigt, bedroht oder bloßgestellt – besonders junge Frauen (41 %). Häufigste Formen: Schreien/Schimpfen (64 %), ungerechtfertigte Kritik (59 %), herabwürdigende Aufgaben (38 %), 12 % berichten von sexueller Belästigung. Meist sind Kolleg:innen (64 %), Vorgesetzte (39 %) oder Ausbildner:innen (31 %) beteiligt. Branchen mit hohen Vorfällen: Gesundheit, Tourismus, Elektrotechnik.

Schlechte Ausbildungsbedingungen wirken sich auf Fachkräftebindung aus: 27 % wollen nicht im erlernten Beruf bleiben. Wo die Bedingungen am schlechtesten sind, steigt die Wechselabsicht auf 57 %, bei guten Bedingungen liegt sie nur bei 13 %.

Prüfungsvorbereitung? Fehlanzeige

Nur 56 % der Lehrlinge werden bei der Vorbereitung vom Betrieb unterstützt. Ein Drittel hat nie über Prüfungsanforderungen gesprochen, 42 % fühlen sich unzureichend vorbereitet, 10 % kennen die Anforderungen gar nicht.

Programm für bessere Ausbildung!

Gewerkschaftsbund, Gewerkschaftsjugend und Arbeiterkammer setzen auf sechs Schwerpunkte:

  • Qualitätsgesicherte Lehrstellen: Förderung nur bei verbindlichen Ausbildungsplänen, laufender Dokumentation und erfolgreicher Lehrabschlussprüfung.
  •  Moderne Lehrabschlussprüfung: Transparent, einheitlich, öffentlich einsehbar, mit Teilprüfungen und bezahlter Vorbereitungszeit.
  • Kompetenzzentren: Standardisierte Lernorte gleichen Unterschiede zwischen Betrieben aus.
  • Digitale Kompetenz: Einheitliche Standards, digitale Lerntechnologien, Berufsschulmodernisierung und KI-Weiterbildung.
  • Aus- und Weiterbildungsfonds: Unternehmen zahlen ein, Betriebe mit hochwertiger Aus- und Weiterbildung werden gefördert.
  • Psychische Gesundheit: Schul- und Jugendpsycholog:innen, Vorsorgegespräche und verbindliche Qualitätsstandards gegen Druck und Mobbing.

Lehrlingsmonitor

Der aktuelle Lehrlingsmonitor von ÖGB, Arbeiterkammer und Gewerkschaftsjugend basiert auf den Angaben von 6.102 Lehrlingen in der Endphase ihrer Ausbildung. Die Befragung fand zwischen Dezember 2024 und Juni 2025 statt. Durchgeführt wurde sie vom öibf – Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung.
 

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