16.12.2019

Bierlokal beutete Arbeitslose aus

Ein Bierlokal im Siebten ließ Arbeitslose kommen, um sie an Probetagen 12 Stunden und mehr arbeiten zu lassen – und sie dann nicht oder nur unvollständig zu bezahlen. Eine Anmeldung zur WGKK erfolgte entweder überhaupt nicht oder falsch. Die AK hat fünf ArbeitnehmerInnen zu ihrem Geld verholfen.

Außerdem hat die AK gegen die mittlerweile in MS Alpha Gastro GmbH umbenannte ehemalige Betreibergesellschaft (ehemals Plutzer GmbH) eine Beitragsprüfung bei der Wiener Gebietskrankenkasse und beim AMS eine Sperre angeregt. Eine Anzeige nach dem Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz wird vorbereitet. Das Lokal wurde mittlerweile an einen neuen Betreiber verkauft, bisher gab es keine Beanstandungen.

AK Präsidentin Renate Anderl: „Das Lokal im Siebten ist ein Laden, der immer gut gelaufen ist. Die vorherigen EigentümerInnen hätten es sich leisten können, die ArbeitnehmerInnen korrekt zu behandeln.“

Küchenhilfe arbeitete ohne Pause

Im April 2018 wurde eine 47-jährige Arbeitnehmerin zu einem Gasthaus in Liesing geschickt, wo eine Küchenhilfe „ab sofort von Montag bis Sonntag von 9 bis 23 Uhr” gesucht wurde. Sie wurde gleich am Tag ihres Vorstellungsgesprächs um 13 Uhr zur Arbeit in der Küche eingeteilt, und gegen 17 Uhr weiter in das Bierlokal in den siebten Bezirk geschickt, wo sie bis 22.30 Uhr arbeitete. Am nächsten Tag arbeitete sie von 9 Uhr früh bis 22.30 Uhr ohne Pause durch. Die Küchenleiterin sagte ihr: „Hier werden keine Pausen gemacht.” Die Arbeitnehmerin, die aufgrund Ihres Alters nicht so lange stehen konnte, musste daher das Arbeitsverhältnis beenden.  

Geld für die zwei Tage Arbeit sah sie nicht

Geld für die zwei Tage Arbeit sah die Arbeitnehmerin nicht. Als die Arbeitnehmerin ihren Lohn forderte, schickte die Küchenleiterin sie mit folgenden Worten weg: „Ich habe sie dann gefragt, was sie ihrer Meinung nach fürs Nichtstun noch erhalten soll. Sie hat dann was gesagt, aber ihr Deutsch ist mir nicht verständlich. Ich spreche nicht Englisch, wir sind in einem österreichischen Lokal.” Das Arbeits- und Sozialgericht sprach der Arbeitnehmerin die 326,50 Euro, die ihr vorenthalten worden waren, zu. Doch der Arbeitgeber zahlte erst nach dem Exekutionsverfahren. 

Ebenso nicht oder zu wenig bezahlt bekamen vier weitere Arbeitnehmer

Dabei ging es einmal um 435 Euro, einmal um 233,45 Euro, einmal um 1.913,46 Euro, einmal um 303,82 Euro. Sie alle arbeiteten 12 und mehr Stunden ohne Pause. Oft gab es zu der Zeit Arbeitsspitzen im Lokal: Einmal eine Feier mit einer Sängergruppe mit 50 Personen und einmal aufgrund der Weihnachtszeit, in der das Lokal für Firmenfeiern gut gebucht war. 

Der Arbeitgeber hatte mit den ArbeitnehmerInnen leichtes Spiel, denn: Es handelte sich um Arbeitslose. Im Einzelfall ging es nicht um große Summen, es hätte leicht sein können, dass die ArbeitnehmerInnen das Geld einfach abschreiben. Die Stammbelegschaft wiederum tut sich schwer, für die Betroffenen gegen den Chef auszusagen. 

Schärfere Kontrolle der Höchstarbeitszeit!

Jetzt ist die Betriebsprüfung der Wiener Gebietskrankenkasse am Zug. AK Präsidentin Renate Anderl: „Wir brauchen eine schärfere Kontrolle der Höchstarbeitszeit durch mehr Personal beim Arbeitsinspektorat! Wir haben um 50 weniger KontrolleurInnen, als die Norm der internationalen UNO-Arbeitsorganisation ILO vorsieht. Das ist eine Schande für den österreichischen Wirtschaftsstandort und Rechtsstaat.”

Kontakt