3.10.2019

Uni-Angestellte bekam 12 Jahre nur befristete Arbeitsverträge

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat über einen besonders krassen Fall prekärer Beschäftigung entschieden, den die Arbeiterkammer vertreten hat: Eine Chemikerin arbeitete knapp 12 Jahre lang an einer Universität in der Forschung. Dann wurde der Arbeitsvertrag nicht mehr verlängert, die Forscherin ist seit 2014 auf Arbeitssuche. Der EuGH hält die unterschiedlichen Regelungen für Voll- und Teilzeitkräfte bei Kettenarbeitsverträgen an Unis für potenziell rechtswidrig. Nun muss geprüft werden, ob diese objektiv gerechtfertigt sind.

Kettenverträge an Unis: „Befristete Verträge nur in Ausnahmefällen!“

Aus AK Sicht entspricht die Praxis der Kettenverträge an Unis und Hochschulen der Abdeckung eines dauerhaften Personalbedarfs. Das ist nicht der Sinn und Zweck eines befristeten Arbeitsvertrags.

AK Präsidentin Renate Anderl sagt: „Die AK hat die ausufernden Möglichkeiten zur Befristung von Arbeitsverträgen im Uni-Gesetz immer kritisiert. Ich fordere daher: Befristungen darf es nur in Ausnahmefällen geben. So viel Respekt ist man den ArbeitnehmerInnen in Wissenschaft und Forschung einfach schuldig.“

Forscherin suchte Hilfe bei der AK

Die betroffene Forscherin war seit 2002 im selben Fachbereich an einer Wiener Universität tätig, teils in Vollzeit, teils in Teilzeit. 2014 sagte ihr Vorgesetzter, dass die sogenannten Drittmittel – private Gelder, aus denen die Universitäten vieles an Forschung finanzieren müssen – nicht mehr ausreichten, um ihren Vertrag ein weiteres Mal zu verlängern. Sie suchte Hilfe bei der AK und klagte auf Bestehen eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses.

Die Aneinanderreihung von befristeten Arbeitsverträgen ist laut Universitätsgesetz eine begrenzte – aus AK Sicht aber zu lange – Zeit lang erlaubt. Sonst entsteht ein Kettenarbeitsvertrag, der in Wirklichkeit ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ist: Bei Vollzeitkräften sind es maximal sechs Jahre, bei Teilzeitkräften maximal acht Jahre. Nur in Ausnahmefällen, wenn es um die Fertigstellung von Projekten geht, sind es zwölf Jahre. Die betroffene Arbeitnehmerin sagt: „Ich bin seit 2014 arbeitslos. Ich habe mich überall beworben, aber ich bin den Arbeitgebern wohl zu alt und zu teuer.“

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