28.11.2018

Freiwilligkeit bei der Arbeitszeit ist ein Märchen

Eine neue FORBA-Studie im Auftrag der AK mit 9.400 Befragten (Mikrozensus Statistik Austria) zeigt: Eine deutliche Mehrheit von 58 Prozent der befragten ArbeitnehmerInnen in Vollzeit hat gar kein Mitsprachrecht bei der Arbeitszeit, sondern bekommt diese vom Arbeitgeber fix vorgegeben. Selbst über ihre Arbeitszeit bestimmen können nur 13 Prozent der Vollzeitkräfte. Menschen mit Pflichtschulabschluss können am wenigsten über ihre Arbeitszeit bestimmen, Menschen mit Hochschulabschluss am meisten. So haben vollzeitbeschäftigte PflichtschulabsolventInnen zu beinahe 85 Prozent fix vorgegebene Arbeitszeiten.

Hilfsköchin bleibt Gang vor Gericht nicht erspart 

Beispielhaft für die Mehrheit der ArbeitnehmerInnen, die nicht selbst über ihre Arbeitszeit bestimmen können, ist der Fall der Hilfsköchin, die ihren Job in Wien verlor, weil sie es ablehnte 12 Stunden am Tag zu arbeiten. Die neueste Entwicklung ist: Die Arbeiterkammer musste mittlerweile den Gang zu Gericht antreten. Unter Druck gesetzt unterzeichnete sie eine einvernehmliche Lösung des Arbeitsverhältnisses in der Hoffnung, wenigstens schnell zu ihrer Abfertigung zu kommen. Doch der Arbeitgeber blieb Frau B. bis heute das Geld schuldig, sodass die AK ihre Ansprüche jetzt vor Gericht einklagt.

Projektleiter: „Ich habe mich kaputtgearbeitet!“ 

Die Minderheit der ArbeitnehmerInnen, die „selbstbestimmt“ arbeitet, läuft Gefahr sich selbst auszubeuten, wie der Fall eines Arbeitnehmers zeigt, der als Projektleiter bei einer Arbeitskräfteüberlassungsfirma gearbeitet hat: Durch die hohe Arbeitsmenge musste er oft sehr lange arbeiten. Bis zum Juni 2017 hatte er 455 „Gutstunden“ angesammelt, die weder in Geld noch in Zeit ausgeglichen worden waren und die hauptsächlich in den letzten zwei Jahren angefallen waren.

Er wurde krank und war mehrere Monate hindurch nicht arbeitsfähig. Schließlich bekam er die Kündigung. Bis dahin wurden ihm die Überstunden nur zum Teil und nur im Verhältnis 1:1 ausbezahlt. Zwar galt in diesem Fall noch das alte Arbeitszeitgesetz, dennoch zeigt er: Überlange Arbeitszeiten schädigen die Gesundheit! Er leidet nach wie vor unter seinem Burn-Out und sagt: „Ich habe mich kaputt gearbeitet!“

Das 12-Stunden-Tag-Gesetz muss weg!

AK Präsidentin Renate Anderl sagt: „Die ArbeitnehmerInnen halten Österreich am Laufen. Sie haben sich etwas Besseres verdient, als dass sie erst ausgequetscht werden wie eine Zitrone und dann auch noch vor Gericht gehen müssen, um zu ihrem Geld zu kommen. Die zynischen Hinweise der Regierung, die Menschen könnten sich ohnehin an die Arbeiterkammer wenden und klagen, zeigen, dass es hier kein Bewusstsein für die Realität der Beschäftigten gibt.

Ein Gang vor Gericht kostet Nerven, und auf sein Geld warten müssen, kann existenzgefährdend sein. Besser wäre es, dafür zu sorgen, dass es nicht so weit kommen muss. Wir fordern: Überstunden dürfen nicht mehr verfallen, und das 12-Stunden-Tag-Gesetz muss weg!“

Arbeitszeit aufzeichnen

Behalten Sie den Überblick über Ihre Arbeitszeit! Mit den Hilfsmitteln der AK: 

  • www.ak-zeitspeicher.at oder integriert in die AK App „Frag uns!“ im AppStore oder auf Google Play. Alle Daten bleiben selbstverständlich anonym!

  • Arbeitszeitkalender bestellen unter +43 1 501 65 1202.

Im Streitfall sind regelmäßige, aktuelle und minutengenaue Arbeitszeitaufzeichnungen vor Gericht wichtig, wenn es um das Einfordern unbezahlter Überstunden geht. Dass der Arbeitgeber sie abzeichnet, ist nicht zwingend notwendig.