5.12.2019

Längere Väterkarenz pusht Jobrückkehr der Mütter

Das 4. Wiedereinstiegsmonitoring der AK zeigt: Je länger die Väter nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, umso höher sind die Chancen, dass die Mütter bis zum 2. Geburtstag des Kindes wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Kein anderer Faktor wirkt sich derart positiv auf den Wiedereinstieg aus. Den Männern muss daher – auch auf betrieblicher Ebene – die Teilnahme an der Kindererziehung erleichtert werden.

Grafik © Tea Mina Jaramaz
© Tea Mina Jaramaz

Fünf Faktoren haben sich im AK Wiedereinstiegsmonitoring als besonders wesentlich für die Rückkehr der Mütter in den Job herausgestellt:

Höhere Bildung und bessere Erwerbsintegration vor der Geburt sind ebenso wie kürzere Kinderbetreuungsgeldmodelle und ein gutes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen förderlich für einen Wiedereinstieg bis zum 2. Geburtstag.

Längere Väterkarenzen

Den mit Abstand größten positiven Einfluss von allen Faktoren haben allerdings längere Väterkarenzen – und zwar von mehr als 6 Monaten. Das Wiedereinstiegsmonitoring zeigt auf, dass in diesem Fall die Chance auf einen Wiedereinstieg rund zweieinhalb (!) Mal größer ist als im Durchschnitt.

Eine Väterbeteiligung von 3-6 Monaten wirkt sich ebenfalls positiv aus, allerdings mit einer um 20 Prozent höheren Chance auf einen Wiedereinstieg der Partnerin bis zum 2. Geburtstag weniger stark.

Allerdings sind diese für den Wiedereinstieg von Frauen positiven Varianten Minderheiten-Programme. Denn nur knapp 1 Prozent aller Paare weisen eine Väterbeteiligung von mehr als 6 Monaten auf. Bei einer Beteiligung zwischen 3 und 6 Monaten sind es ebenfalls nur rund 2 Prozent.

Dagegen ist eine Väterbeteiligung, die weniger als 3 Monate dauert, sogar hinderlich für die Rückkehr der Frauen an den Arbeitsplatz. Diese macht allerdings mit 10 Prozent den überwiegenden Teil bei der Partnerbeteiligung aus. Bei 7 Prozent der Paare bezieht der Vater zwar Kinderbetreuungsgeld, unterbricht aber seine Erwerbstätigkeit nicht. Ein Teil dieser Väter reduziert dabei die Arbeitszeit zur Betreuung des Kindes. Bei 80 (!) Prozent der Paare ist die Mutter alleinige Bezieherin des Kinderbetreuungsgeldes. Das heißt: In 8 von 10 Partnerschaften gibt es nach wie vor keinerlei Beteiligung des Vaters.

„Es braucht ein Umdenken in den Unternehmen, um den Wunsch vieler Väter nach mehr Zeit mit den Kindern in dieser ersten wichtigen Lebensphase auch wirklich zu unterstützen“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. Und weiter: „Wenn Väter länger in Karenz sind, ist das für alle von Vorteil. Längere Väterkarenzen sind der Motor für einen raschen Wiedereinstieg von Frauen. Und Kinder und Väter profitieren von mehr gemeinsamer Zeit.“

Parallel dazu müssen laut Anderl aber auch andere Hebel in Bewegung gesetzt werden – etwa bei der Kinderbetreuung: „Eigentlich sollte ein ausreichendes Betreuungsangebot für Kinder in allen Altersstufen, nämlich von klein auf, schon längst eine Selbstverständlichkeit sein. Es kann nicht sein, dass Eltern die Kinderbetreuung innerfamiliär organisieren müssen oder Frauen länger unterbrechen, weil die Kinderbetreuung fehlt.“

Unsere Forderungen

Konkret fordert die AK daher:

  • Mehr Geld für Kinderbildung: Um den Ausbau von Kinderkrippen und Kindergärten zu beschleunigen, familienfreundliche Öffnungszeiten zu gewährleisten und den Betreuungsschlüssel zwischen pädagogischem Personal und betreuten Kindern zu verbessern, muss der Bund mehr Mittel bereitstellen. Im EU-Vergleich wird für Elementarbildung ein Prozent des BIP ausgegeben, in Österreich sind es derzeit nur 0,67 Prozent. Das bedeutet jährlich 1,2 Milliarden Euro zusätzlich, damit Österreich den EU-Schnitt erreicht.

  • Ausbau der Ganztagsschulen: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss auch längerfristig gesichert werden. Für viele Eltern ist der Wechsel vom Kindergarten in die Schule eine große Herausforderung. Ganztagsschulen sind ein wichtiger Beitrag, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Zudem werden Familien vom Lernen zu Hause und von Nachhilfe für ihre Kinder entlastet.  

  • Familienfreundliche Arbeitswelt: Berufsunterbrechungen und Wiedereinstieg sind oft mit beruflichen Nachteilen verbunden. Unternehmen sind gefordert, familienfreundliche und planbare Arbeitszeiten anzubieten. Das darf auch nicht zu Nachteilen in der beruflichen Position und bei der beruflichen Karriere führen.  

  • Vereinbarkeit auch für Väter verwirklichen: Väter wünschen sich mehr Zeit für Kinder: Das muss auch bei den Unternehmen ankommen. Betriebe müssen Männer auch in ihrer Väterrolle wahrnehmen und es darf zu keinen beruflichen Nachteilen führen, wenn ein Vater Überstunden ablehnt, Teilzeit arbeitet oder in Karenz geht. Die AK fordert eine eigenständige Leistung während des Papamonats. Das Geld soll also nicht wie bisher vom Kinderbetreuungsgeld abgezogen werden.  

  • Kürzere Arbeitszeiten: Es gibt viele Modelle: Wir müssen uns die Wochenarbeitszeit genauso anschauen wie die Lebensarbeitszeit – und wie die Arbeitszeit verteilt ist. 

  • Bezug des einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeldes an die Karenz koppeln: Der Bezug des einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeldes ist im Unterschied zur pauschalen Geldleistung im Kinderbetreuungsgeldkonto an die Höhe des jeweiligen Erwerbseinkommens gekoppelt. Diese Geldleistung soll nur gewährt werden, wenn tatsächlich Karenz in Anspruch genommen wird. 

  • Verbesserungen beim Partnerschaftsbonus: Der Partnerschaftsbonus ist von 500 auf 1000 Euro pro Elternteil zu erhöhen, um mehr Anreize für eine ausgewogenere Aufteilung von Karenz zu fördern. 

  • Gesicherte Daten über unbezahlte Arbeit: Österreich soll sich in der EU an der Zeitverwendungserhebung beteiligen. Das ist eine wichtige Grundlage, um die Wechselwirkungen von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen zu analysieren.