überforderte Mitarbeiterin im Büro © pictworks, stock.adobe.com
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22.4.2021

Mehr Gerechtigkeit in der Arbeitszeitverteilung

Österreich hat die drittlängsten Arbeitszeiten von Vollzeit-Beschäftigten im EU-Vergleich. Das zeigen die Werte für 2020, die vor kurzem von Eurostat aktualisiert wurden.

Überlange Arbeitszeiten

Auf der einen Seite gibt es Beschäftigte, die ihre Arbeitszeit reduzieren wollen. Überlange Arbeitszeiten sorgen dafür, dass sie an ihre Belastungsgrenzen und oft auch darüber hinaus gehen, und oft auch ohne Abgeltung: Selbst in der Krise wurden 30 Mio. Über- und Mehrstunden nicht bezahlt. Diesen Menschen wird wertvolle Regenerationszeit und ein Einkommen von rund 700 Mio. jedes Jahr vorenthalten. 

Teilzeitfalle

Die einen arbeiten zu viel, während auf der anderen Seite Frauen mit Kindern aus der Teilzeitfalle nicht herauskommen, selbst wenn sie das wollen (L&R-Studie der AK Niederösterreich. Die Corona-Krise hat einmal mehr gezeigt, wer für die Care-Arbeit als zuständig erachtet wird, bezahlt wie unbezahlt. Andere haben mit der Corona-Krise ihren Arbeitsplatz verloren oder sehen ihn gefährdet: Rund eine halbe Million Menschen sind in Kurzarbeit und eine halbe Million befinden sich auf Arbeitsplatzsuche. In Summe also eine Million Menschen, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen und dabei oft keine Perspektiven haben.

Kürzere Arbeitszeiten treiben den wirtschaftlichen Erfolg an

Die höchste Zufriedenheit haben im Übrigen Beschäftigte, die zwischen 36 und 40 Stunden arbeiten. Kürzere Arbeitszeiten steigern nicht nur die Produktivität und Qualität der Arbeit, sondern reduzieren signifikant die Risiken für Arbeitsunfälle und die Dauer von Krankenständen. Andere Länder in Europa machen es vor: Kürzere Arbeitszeiten behindern den wirtschaftlichen Erfolg nicht, sondern treiben ihn an.

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Solidaritätsprämienmodell

Wirtschafts- und nicht zuletzt gesellschaftspolitisch ist eine Arbeitszeitverkürzung, wie im Solidaritätsprämienmodell vorgeschlagen, der erste Schritt in die richtige Richtung. Dieses Modell hilft dabei, die Arbeitszeitverteilung in Österreich gerechter zu gestalten. Es bringt Menschen in Beschäftigung und senkt damit die Arbeitslosigkeit. Die Kosten dafür sind eine Investition, die sich rasch bezahlt macht (erhöhte Steuereinnahmen, weniger Arbeitslosenunterstützung, verstärkter Konsum).

Es gibt aber auch noch andere innovative Wege im Umgang mit Arbeitszeit. Reduzierung von Arbeitszeit kann in unterschiedlichen Gewändern kommen: mehr Urlaub bzw. zusätzlich freie Tage, Prämienauszahlung in Zeit, Freizeitoption, Überstunden mit Zeitausgleich. Einige kollektivvertragliche Lösungen gibt es bereits. Nun gilt es, sich den Nutzen einer Arbeitszeitverkürzung bewusst zu machen und sie einzusetzen.

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