15.3.2019

Gütesiegel 24-Stunden-Betreuung: Freiwilligkeit reicht nicht 

„Ein freiwilliges Güte­siegel verhindert Missstände nicht, weil es niemanden verpflichtet, vorgesehene Kriterien einzuhalten“, kommentiert Silvia Rosoli, Leiterin der Abteilung Gesund­heits­berufe­recht und Pflege­politik in der AK Wien, das gestern, 14.3.2019, präsentierte Gütesiegel für Vermittlungs­agenturen für die 24-Stunden-Betreuung.

Eine aktuelle Erhebung des Vereins für Konsumenten­information zeigt, dass viele Agenturen sehr intransparent sind und zum Nachteil der KundInnen und BetreuerInnen agieren. Zwar gibt es auch gute Agenturen in der 24-Stunden-Betreuung, aber letztlich stehen diese immer im unfairen Wettbewerb mit schlechten Geschäfts­praktiken von Dumping­agenturen. „Es fehlen in vielen Fällen Fairness, Transparenz und Qualität. Dagegen hilft kein ´Pickerl´ auf freiwilliger Basis, da hilft nur ein verpflichtender gesetzlicher Rahmen, wie ihn Arbeiterkammer und Gewerk­schaften fordern. Nur so kann flächendeckend gute Qualität für Menschen mit Pflegebedarf, deren Familien und für die Personen­betreuer­Innen sicher­gestellt werden“, sagt Rosoli.

Eine Vermittlungs­agentur, die Qualitäts­standards nicht einhält, sich auch nicht um das Gütesiegel bemüht, kann trotzdem ungeniert mit Dumping­preisen um KundInnen werben und auf dem Markt bestehen. Agenturen, die sich zertifizieren lassen, haben durch die Zertifizierung und die Einhaltung höherer Standards höhere Kosten und müssen diese direkt an Kunden weitergeben und erleiden einen weiteren Wett­bewerbs­nachteil. „Ein freiwilliges Gütesiegel zementiert also ein zu Recht kritisiertes unfaires und ungerechtes System weiter ein“, so Rosoli. 

Zur Verbesserung der Personen­betreuung fordert die AK ein Rahmen­gesetz, welches dafür sorgt, dass

  • ausreichend Transparenz geschaffen wird. Das bedeutet auch zu wissen, wer welches Geld für welche Leistung bekommt. Menschen, die Betreuung brauchen, müssen im Vorhinein wissen, welche Leistungen sie von Agenturen für ihr Geld tatsächlich erhalten. Die Verträge und Leistungs­bedingungen müssen offen­gelegt sein.

  • Fairness garantiert sein muss. Daher ein klares Verbot von Knebelungs­verträgen, Pauschal­zahlungen ohne Leistung, von Straf­zahlungen bei Vertrags­auflösungen oder des Zwangs zur Nutzung bestimmter Transportmittel.

  • Qualität gesichert sein muss. Familien und Personen­betreuer­Innen müssen eine fachlich kompetente Begleitung erhalten, die berät, bei Konflikten unterstützt und darauf achtet, dass pflegerischer und medizinischer Handlungs­bedarf sicher und korrekt abgedeckt wird. Diese Qualitäts­sicherung kann durch systematische Einbindung der Haus­kranken­pflege erfolgen.

  • die Personen­betreuer­Innen so viel handwerkliches Rüstzeug mitbringen müssen, dass sie die Herausforderungen in der Betreuung auch gut bewältigen können. Eine Mindestqualifikation auf Heim­hilfe­niveau und ein offenes System zur Fortbildung sind die Voraussetzung dafür.