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Warum gibt es eine Einkommensschere?

Viel hat sich in den letzten Jahrzehnten getan bei der Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt. Frauen haben bei der Erwerbstätigkeit gegenüber den Männern dramatisch aufgeholt und sie bei den formalen Bildungsabschlüssen bereits überholt. Trotzdem verdienen Frauen noch immer um mehr als ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen. Das finden viele Frauen und Männer nicht fair.

900 Euro brutto entgehen Frauen jeden Monat

900 Euro brutto entgehen den Frauen und ihren Familien im Schnitt jeden Monat durch den Einkommensunterschied. Über das ganze Jahr hinweg fehlen damit in der Einkommenskasse 12.500 Euro. Rechnet man den Unterschied auf ein durchschnittliches weibliches Erwerbsleben von 34,5 Jahren hoch, beträgt der Verlust stattliche 435.000 Euro. Es geht also um die Größenordnung eines Einfamilienhauses. Man könnte also zurecht von einer haushohen Ungerechtigkeit sprechen.

Faktoren am Arbeitsplatz

Die Gründe für den Einkommensunterschied sind vielfältig. Einige davon haben viel mit fehlender Fairness zu tun, etwa, wenn Männer und Frauen für gleiche oder gleichwertige Arbeit unterschiedlich bezahlt werden; oder wenn Männer bessere Chancen auf einen beruflichen Aufstieg haben – auch dann, wenn sie nicht besser qualifiziert sind.

Manches beginnt schon bei der Ausbildung: Nur ein Drittel aller Lehrstellen sind mit jungen Frauen besetzt. Mädchen wie Burschen, die sich für einen für ihr Geschlecht untypischen Beruf entscheiden, haben es oft extrem schwer, eine entsprechende Lehrstelle zu finden.

Frauen in Führungspositionen sind leider noch immer selten. Oft bestimmt in der Praxis das Geschlecht und nicht die Qualifikation über den Aufstieg: Obwohl Frauen 47 Prozent der Erwerbstätigen stellen und höhere Bildungsabschlüsse als Männer vorweisen können, erreicht ihr Anteil unter den Vorständen der börsennotierten Unternehmen lediglich 5 Prozent.

Wissen und Können, körperliche und psychische Belastungen, Verantwortung – viele Faktoren machen den Wert von Arbeit aus. Leider schlägt sich das nicht immer im gleichen Ausmaß auf die Bezahlung nieder. Berufsfelder, die viel mit Menschen zu tun haben wie Kinderbetreuung oder Pflege werden oft schlechter bezahlt als Berufe, in denen viel mit Maschinen gearbeitet wird – obwohl die Anforderungen in beiden Bereichen schwierig sind.

Dazu kommt ein Mangel an Transparenz: Viele wissen nicht, was der Kollege oder die Kollegin mit einem ähnlichen oder gleichen Job verdient. Deswegen werden Unterschiede beim Lohn manchmal nur durch Zufall sichtbar, oft aber gar nicht.

Diese Unterschiede entstehen oft nicht aus böser Absicht – häufig sind sie das Ergebnis von vielen Einzelentscheidungen. Eine systematische Zusammenschau zwischen Anforderungen der einzelnen Tätigkeiten und Entlohnung fehlt jedoch in vielen Betrieben.

Das Gleichbehandlungsrecht verbietet jedoch, Unterschiede beim Entgelt oder sonstigen Bedingungen am Arbeitsplatz nur aufgrund des Geschlechts, der Herkunft, des Alters, der Weltanschauung/Religion oder der sexuellen Orientierung zu machen.

Faktoren außerhalb der Arbeit

Andere Gründe liegen in anderen Bereichen: Die unbezahlte Haus-, Betreuungs- und Versorgungsarbeit ist nach wie vor recht ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt. Derzeit liegt die Hauptlast bei den Frauen, die fast doppelt so viel unbezahlte Arbeit leisten wie Männer, nämlich 4:53 Stunden im Vergleich zu 2:41 Stunden. Sie haben damit insgesamt eine Gesamtarbeitszeit von 65 Stunden in der Woche (bezahlt und unbezahlt) – und damit um 2 Stunden mehr als Männer.

Noch immer unterbrechen vor allem Frauen die Erwerbstätigkeit, wenn ein Kind kommt. Danach arbeiten sie häufig nur in Teilzeit – oft, weil ausreichende Kinderbetreuung und -bildung sowie schulische Nachmittagsbetreuung noch immer fehlen.

Im Gegensatz dazu arbeiten Männer, die Väter geworden sind, hingegen oft mehr Stunden als davor. Allerdings sind Männer wie Frauen damit oft nicht sehr glücklich. Die gewünschte Arbeitszeiten schauen nämlich anders aus: Vor allem Männer in Vollzeitwollen durchschnittlich um 1 Stunde und 48 Minuten pro Woche kürzer, während (überwiegend weibliche) Teilzeitarbeitskräfte um 2 Stunden und 42 Minuten länger arbeiten.

Das fordert die AK 

Maßnahmen

Es gibt viele Gründe für die Einkommensunterschiede, deswegen braucht es auch vielfältige Maßnahmen um diese zu beseitigen: 



Die AK setzt sich für eine solche umfassende und vielfältige Strategie ein. Denn Gerechtigkeit muss sein!

Hintergründe zum Einkommensunterschied

  • Wiedereinstiegsmonitoring: Wer geht wie lange in Karenz? Für wie lange? Wie unterscheiden sich Frauen und Männer? Macht die Ausbildung einen Unterschied? Das Wiedereinstiegsmonitoring weiß alles darüber, wie Paare sich die Karenz, Erwerbs- und Betreuungsarbeit teilen.
     
  • Frauen in Führungsposition: Die Luft in den Aufsichtsratsgremien und den Management-Etagen bleibt für Österreichs Frauen weiterhin dünn. In punkto Unternehmenskarriere ist für Frauen schon im mittleren Management Schluss. Auch die Entwicklungen sind nicht nur zum Besseren. Der aktuelle Frauen.Management.Report der Arbeiterkammer Wien weiß die Details dazu.
     
  • Männer und Vereinbarkeit: Echte Gleichstellung bedeutet, dass Männer sich in ihrer Rolle als Vater viel stärker engagieren als bisher. Das wünschen sich ja auch viele Männer. Ein europaweites Projekt sammelt erfolgreiche Ansätze für eine stärkere Väterbeteiligung in der Betreuungsarbeit.
     
  • EU Aktionsplan zur Bekämpfung des Gender Pay Gaps in der EU: Die Europäische Kommission hat einen Plan vorgelegt, damit in Europa etwas in Sachen fairer Lohn weitergeht. Insbesondere die Idee der Lohntransparenz und verpflichtender Quoten in Aufsichtsräten werden von der AK begrüßt.

Alles was Recht ist: Gesetzliche Regelungen zum „Equal Pay“

Wo erfahre ich, ob ich fair bezahlt werde?

  • Betriebsrat: Wenn es einen Betriebsrat im Unternehmen gibt, ist er die erste Ansprechstelle für alle Fragen zu Einkommen, Einstufung und Kollektivvertrag – und auch den Einkommensbericht, wenn es im Unternehmen einen gibt.

  • Gewerkschaften: Rat und Unterstützung in Sachen Entgelt und allen sonstigen Fragen zur Arbeit finden Sie auch bei Ihrer Fachgewerkschaft. Die kennen die Branchen und Kollektivverträge im Detail. Folgen Sie dem Link und finden Sie heraus, wer für Sie zuständig ist.

  • Gehaltsrechner: Einkommen hängt von vielen Faktoren ab: Beruf, Qualifikation, Branche, Berufserfahrung und auch das Bundesland machen hier einen Unterschied. Klicken Sie sich beim Gehaltsrechner durch detaillierte Infos, was in welchen Jobs bezahlt wird.

  • Auch ein Blick auf die Gehaltsangaben in Stelleninseraten oder ein Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen kann hilfreich sein. Der eine oder die andere ist sicher bereit, offen über das Thema zu reden.

Frauen an der Unternehmensspitze

Der Handlungsbedarf in den Führungsgremien ist groß, der Anteil von Frauen steigt nur schleppend. Das zeigt der AK Frauen.Management.Report.

AK Umfrage zum 12-Stunden-Arbeitstag

Die AK hat eine Umfrage zum 12-Stunden-Tag durchgeführt, die großes Echo ausgelöst hat: 17.711 Personen nahmen teil. Die Detailauswertung liegt vor.

Kollektivverträge bringen Vorteile für Familien

Die Kollektivverträge regeln weit mehr als Löhne und Gehälter. Vieles davon kommt besonders Familien zugute.

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