7.5.2019

Bankenmonitor: Hoch, höher, Spesen!

Bar­aus­zahlung an der Kasse, Bar­ein­zahlung am Schalter und Co – ein Groß­teil der Banken hat bei den Spesen – teilweise kräftig – an der Preis­schraube gedreht und gleich mehrere Er­höhungen vor­ge­nommen. Das zeigt ein aktueller AK Banken­monitor im Jahres­vergleich bei zwölf Banken in Wien.

Bankgeschäfte: Preise teils stark angehoben

Die AK hat die Preise von 53 Dienst­leistungen – Zahlungs­verkehr, Sparen, Kredit, Wertpapiere – bei zwölf Banken in Wien im Jahres­vergleich November 2017 zu November 2018 erhoben. Der AK Banken­monitor zeigt: Sieben der zwölf unter­suchten Banken haben zwischen vier (BAWAG P.S.K.) und 26 (Generali Bank) Preise oder Entgelte erhöht.

„Im Durch­schnitt wurden rund zwölf Preise um 4,41 Prozent angehoben“, sagt AK Konsumenten­schützer Martin Korntheuer. „Vier Banken haben nicht an der Preis­schraube gedreht: easybank, ING, Santander Consumer und WSK Bank.“ Drei Banken (Bank Austria, Erste Bank, HYPO NOE) haben Gebühren gesenkt, auch wenn sie gleich­zeitig Spesen erhöht haben. Die Volks­bank Wien hat trotz mehr­maligen Nach­fragens der AK keine Preis­aushänge über­mittelt.

Einige Beispiele:

Die Generali Bank hat 26 und die Bank Austria 20 Preise verteuert. Die Generali Bank hob die Entgelte im Durschnitt um 3,89 Prozent an, die Bank Austria um zwei Prozent. Die Raiffeisen­landes­bank NÖ-Wien sowie bankdirekt.at erhöhten jeweils zwölf ihrer Entgelte zwischen 7,18 (Raiffeisen) und 4,41 Prozent (bankdirekt).

Der AK Banken­monitor zeigt einzelne, teils empfindliche Preis­sprünge. Die kräftigsten Ausreißer orteten die AK Tester­Innen beim Kassa­geschäft (Schalter) und Zahlungs­verkehr. „So stieg bei der Raiffeisen­landes­bank NÖ-Wien die Gebühr für eine Bar­ein­zahlung am Schalter auf ein fremdes Raiffeisen-Konto von 3,50 um fast 86 Prozent auf 6,50 Euro“, weiß Korntheuer.

„Bei der HYPO NOE müssen Kunden nun 2,50 Euro für eine Bar­aus­zahlung an der Kasse von ihrem eigenen Konto berappen. 2017 waren es noch 1,55 Euro – eine Steigerung um satte 61,29 Prozent.“ Die auf­fälligste Erhöhung nahm ebenfalls die HYPO NOE vor, indem sie die Gebühr für eine Buchung mittels Erlagschein (beleghafte Überweisung) von 93 Cent auf 2,50 Euro hinauf­schraubte – eine Steigerung um 168,82 Prozent.

Beim Kassa­geschäft sind bei BAWAG P.S.K. und Bank Austria die Gebühren für Bar­ein­zahlungen auf institutseigene und institutsfremde Konten (Zahl­schein­zahlungen) um bis zu 18,52 Prozent in die Höhe geschnellt. So müssen bei Einzahlungen auf ein Konto, das nicht bei der BAWAG P.S.K. geführt wird, statt 5,40 nun 6,40 Euro bezahlt werden. Die Bank Austria verlangt bei einer Bareinzahlung auf ein fremdes Konto statt bisher sieben nun 7,50 Euro (plus 7,14 Prozent).

BankkundInnen brauchen mehr Klarheit!

Die Banken haben ihre Preise und Entgelte für Bank­dienst­leistungen oft deutlich angehoben. Das zeigt ein aktueller AK Bankenmonitor. Bank­kundInnen brauchen mehr Transparenz. Die AK verlangt daher eine gerechte Preispolitik bei Zahlungs­verkehrs­dienst­leistungen. „Minus­zinsen“ bei Giro­konten müssen gedeckelt werden.  

Konkret verlangt die AK:

  • Faire Preis­politik beim Zahlungs­verkehr: Viele Entgelte, vor allem für Dienst­leistungen in Selbst­bedienung, müssen preisgünstiger werden. AK Untersuchungen zeigen: Entgelte im Zahlungs­verkehr sind teils stark über das Niveau der allgemeinen Preis­entwicklung (Verbraucher­preis­index) gestiegen. Das benachteiligt im Regelfall traditionelle Bank­kund­Innen, die den Schalter bevorzugen, und die finanz­schwachen Bank­kund­innen. Nicht zu vergessen: Sie müssen schon immer mehr Bank­geschäfte selbst durch­führen.  

  • Klarheit über Zins­anpassungs­klauseln auf Giro­konten („Alt­verträge“): Die AK fordert bei Girokonten – so wie bei Krediten und beim Sparen – klare Zins­anpassungs­klauseln für Soll- und Habenzinsen. Denn die Banken haben die Zinsen für Guthaben deutlich stärker abgesenkt als die Zinsen für die Konto­überziehung. Der zumeist angebotene Zinssatz für Überziehungen ist seit vielen Jahren auf hohem Niveau. Eine Anpassung an die Geld­markt­zinsen nach unten ist längst überfällig.  

  • Deckelung der „Minus­zinsen“: Die AK fordert eine gesetzliche Regulierung der Zinsen – denkbar ist, die Zins­spannen (also die Aufschläge auf den Re­finanzierungs­zins) zu deckeln. Die Zinsen für die Konto­überziehung sind wenig gefallen – trotz zum Teil negativer Zinssätze des für viele Finanz­verträge maßgeblichen Euribor-Satzes. Für die Banken sind die Zinsen der Konto­überziehung ein gutes Geschäft, für die Bank­kundInnen ein teures. 

Wie Sie hohe Spesen vermeiden!

  • Unnötige Kassa­spesen vermeiden: Sie könnten teure Kassa­transaktions­spesen insbesondere mit einer unbaren Über­weisung von Ihrem Giro­konto vermeiden. Voraus­setzung ist: Der Eigen­erlag auf das Konto ist kostenlos oder spesengünstig. Eventuell verfügt Ihre Bank über einen spesen­günstigen Einzahlungs­automaten im Foyer. Wenn Sie den gesamten Betrag über das Konto laufen lassen, dann erfolgt eine unbare Überweisung, die – je nach Konto­modell – eine Buchungs­zeile am Konto kostet. Je mehr Zahlscheine (Zahlungs­anweisungen) vorhanden sind, desto höher ist das Einsparungs­potenzial im Vergleich zur Bar­ein­zahlung der Zahl­scheine am Schalter.  

  • Hohe Spesen verhandeln: Es ist sinnvoll, mit Hausbank oder Bankberater zu verhandeln – der Hinweis auf die langjährige Kundenbeziehung ist oft hilfreich. Falls Verhandeln nicht fruchtet, gibt es Beschwerde­möglichkeiten im Fall strittiger Spesen bei der bankeigenen Ombudsstelle, bei der Verbraucher­schlichtung (www.verbraucherschlichtung.at) oder bei der Schlichtungs­stelle der österreichischen Kredit­wirtschaft (www.bankenschlichtung.at).  

  • Änderungen rechtzeitig mitteilen: Die Bank muss Sie über geplante Änderungen bei Preisen oder Geschäfts­bedingungen spätestens zwei Monate vorher informieren. Nach Ansicht der AK müssen Ihnen die Änderungen im Detail aktiv übermittelt werden. Das bedeutet: Ein Hinweis auf der Homepage oder eine bloße Mitteilung auf dem Konto­auszug ist nicht ausreichend. Der Konto­auszug mit den Änderungen muss Ihnen mit der Post zugesandt werden. Sie haben ein Wider­spruchs­recht gegen Spesen­erhöhungen. Im Gegenzug hat jedoch die Bank das Recht, eine Konto­verbindung aufzukündigen.