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11.5.2021

AK Kreditspesenmonitor: Spesenschraube „durchgedreht“

„Abgehoben“ sind einige Spesen für Neukredite – sie sind in den vergangenen zehn Jahren im Vergleich zur Teuerung (rund 20 Prozent) extrem in die Höhe geschnalzt. So verteuerten sich die Ansuchen für eine Kreditstundung um bis zu knapp 116 Prozent, die Kontoführungsgebühren kosten um bis 134 Prozent mehr als noch 2011. Das zeigt ein aktueller AK Spesentest bei neun Banken. „Die Erhöhungen sind nicht nachvollziehbar, denn viele Menschen sind aufgrund der Corona-Krise finanziell am Limit“, sagen die AK KonsumentenschützerInnen. 

So stiegen die Kontoführungsgebühren

So stiegen die Kontoführungsgebühren im Quartal für einen neuen Konsumkredit in den vergangenen zehn Jahren (Beträge in Euro)

Bank Mai.11 Jän.21 gestiegen um 
Bank Austria         14,73 16,95 15,07%
BAWAG P.S.K.  8,5 19,9 134,12%
easybank 13,59 14,95 10,01%
Erste Bank           10,55 24 127,49%
HYPO NOE             13 individuell kein Vergleichswert
ING DiBa 0 0 0,00%
Raiffeisen Wien-NÖ    6,76 individuell kein Vergleichswert
Santander 17,7 individuell kein Vergleichswert
WSK Bank              7 7 0,00%

Der AK Test zeigt: Die Spesen für die Stundungsansuchen sind teils extrem in die Höhe gegangen. „Fast eine halbe Million Menschen ist arbeitslos und hunderttausende sind in Kurzarbeit. Für viele ist es aufgrund von Corona finanziell eng und daher ist auch das Stunden von Krediten ein großes Thema“, betonen die AK ExpertInnen. 

„Nach dem Auslaufen der gesetzlichen Kreditstundungen im Jänner haben die Banken Kulanz versprochen. Verhandeln Sie mit Ihrer Hausbank die Spesen und reden Sie Ihre langjährige Kundenbindung und die Anzahl der Produkte an, die Sie und Ihre Familie bei der Bank haben.“  

Stundungsgebühren in die Höhe geschnalzt

Die Stundungsgebühren pro Ansuchen sind teils extrem in die Höhe geschnalzt (Beträge in Euro)

Bank Mai.11 Jän.21 gestiegen um 
Bank Austria          42 52 23,81%
BAWAG P.S.K.  50 50 0,00%
easybank 50 50 0,00%
Erste Bank           116 250 115,52%
HYPO NOE             150 250 66,67%
ING DiBa              14,5     0,3% 1)        Vergleich nicht aussagekräftig
Raiffeisen Wien-NÖ    50 individuell kein Vergleichswert
Santander  37,4 38 1,60%
WSK Bank              41 41 0,00%

1) der offenen Forderung

„Nebenspesen im Kreditgeschäft waren schon bisher eine der teuersten Dienstleistungen. Der AK Test zeigt: Die Mehrzahl der geprüften Kreditinstitute hat trotz der hohen Spesen weiterhin kräftig an der Spesenschraube gedreht – viel mehr als die Teuerung. Nicht nachvollziehbar ist für uns, dass für die Stundung einer oder mehrerer Kreditraten bis zu 250 Euro pro Ansuchen anfallen – gerade in Zeiten, wo es vielen aufgrund der Corona-Krise finanziell schlecht geht“, so die AK ExpertInnen. 

Schutzschirm für KonsumentInnen spannen!

Schutzschirm für KonsumentInnen bei Problemen mit Krediten und Kontoüberziehungen – was die AK konkret verlangt:

  • Zinsen- und Spesenstopp bei Stundungen: Bei gestundeten Krediten soll es einen Zinsenstopp geben – das soll während der Pandemie EU-weit geregelt werden. Das bedeutet: Während der Stundung dürfen keine Zinsen verrechnet werden. Außerdem sollen auch keine Spesen anfallen.  

  • Keine Kündigungen „Knall auf Fall“: Die Banken sollen bei Zahlungsproblemen bei Konsum- oder Hypothekarkrediten sowie bei Kontoüberziehungen auf Verzugszinsen und Mahnspesen verzichten und keine abrupten Kreditkündigungen veranlassen.   

  • Minus am Konto – fünf Prozent Corona-Sonderzins: Banken sollen nicht mehr als fünf Prozent verrechnen, wenn das Konto überzogen wird. Jetzt verlangen sie für ein Minus im Schnitt zwischen zehn und elf Prozent – das ist zu hoch! Viele KonsumentInnen sind auf kurzfristige Kredite und Kontoüberziehungen angewiesen, um sich das tägliche Leben finanzieren zu können.  

  • Datenschutz bei Bonitätsdaten: Bei Kreditstundungen, die auf coronabedingte Einkommenseinbußen zurückzuführen sind, soll es keine Negativeinträge („Schwarze Punkte“) beim Kreditschutzverband oder Wirtschaftsauskünften geben.

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