24.3.2020

Geldsorgen mit Kredit durch Corona?

Nicht den Kopf in den Sand stecken, wenn man aufgrund der Corona-Krise mit Krediten ins Straucheln kommt. „Bei plötzlichen Zahlungsschwierigkeiten sollen Konsumenten sofort mit ihrer Bank, Leasinggesellschaft, Bausparkasse oder Kreditkartenfirma reden, um Verzugszinsen, teure Mahnspesen und sonstige Kosten der Forderungsbetreibung zu vermeiden“, raten die AK KonsumentenschützerInnen.

Das können Sie tun

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie KonsumentInnen Zahlungsprobleme mit ihrer Kreditrate abmildern können. So kann bei Zahlungsproblemen mit der Kreditrate etwa eine zeitlich begrenzte Ratenreduktion oder eine dauerhafte Reduktion der Kreditrate durch eine Laufzeitverlängerung vereinbart werden. Vereinbarte geringere Rückzahlungen sollten idealerweise zumindest die anfallenden Zinsen abdecken – sonst wächst der Kreditsaldo weiter in die Höhe. „Das ist vor allem bei Krediten mit hohen Summen sinnvoll – wie bei Wohnkrediten und Bauspardarlehen“, sagen die AK ExpertInnen. 

VerbraucherInnen können auch eine oder mehrere Raten stunden lassen. Mit einer schriftlichen Vereinbarung kann die Kreditrate für eine bestimmte Zeit ausgesetzt werden. Der Stundungszeitraum beträgt je nach Bank ein bis zwölf Monate. „Üblicherweise laufen die Zinsen weiter. Das ist nicht außer Acht zu lassen“, betonen die AK ExpertInnen.

Beispiel

Bei einem offenen Saldo eines Wohnkredites von 100.000 Euro betragen alleine die Zinsen pro Quartal 450 Euro (Annahme: Zinssatz von 1,8 Prozent pro Jahr) – wenn also keine Zahlungen auf das Kreditkonto eingehen, vergrößert sich der offene Saldo laufend.

„Denn die Zinsen werden dem Kreditsaldo am Quartalsende zugeschlagen und weiter verzinst. Nach drei Monaten beträgt der Saldo bereits 100.450 Euro – ohne Berücksichtigung von sonstigen Spesen und Zinseszinsen, die in der Folge anfallen“, rechnet die AK vor.

„Diese Kostendynamik entfällt, wenn Sie mit der Bank einen Zinsenstopp vereinbaren. Oder Sie vereinbaren eine Rückzahlungsrate, die zumindest die anfallenden Zinsen und Spesen (etwa für das Kreditverrechnungskonto) abdeckt. In jedem Fall muss der gestundete Betrag nach Ablauf der Stundungsdauer wieder aufgeholt werden, was meist eine höhere Rate zur Folge hat.“

„Wenn Sie Zahlungsprobleme haben, reden Sie sofort mit Ihrer Bank, Leasinggesellschaft oder Kreditkartenfirma, um über Zahlungserleichterungen zu reden“, empfiehlt der Konsumentenschützer. „Hohe Überziehungsrahmen beim Konto könnten in einen zinsgünstigeren Abstattungskredit umgewandelt werden. Manche Kreditkartenfirmen bieten die Möglichkeit, die Abrechnung in Raten abzustottern – Achtung, mit hohen Zinsen. Auch Leasingraten sind zu einem im Leasingvertrag festgelegten Termin zu bezahlen. Bei Zahlungsschwierigkeiten sollten Leasingnehmer sofort mit der Leasingbank reden – und es gar nicht zu Verzugszinsen von fünf Prozent Mahnspesen, etwa 18 Euro oder sonstigen teuren Betreibungsschritten kommen lassen.“  

Tipps bei Zahlungsverzug

„Zahlungsprobleme nicht ignorieren, das kann teuer kommen. Am besten Ihren Berater in der Bank, Bausparkasse, Leasinggesellschaft oder Kreditkartenfirma kontaktieren“, raten die AK KonsumentenschützerInnen. Die AK verlangt: Banken sollen KonsumentInnen bei Zahlungsschwierigkeiten, etwa wegen Jobverlust durch die Coronakrise, rasch und unbürokratisch mit spesenfreien Vertragsänderungen wie Stundungen oder Laufzeitverlängerungen helfen.

Wer sein Girokonto dauerhaft überzieht, hat üblicherweise mit hohen Überziehungszinsen (bis zu 14 Prozent) zu rechnen. „Verhandeln Sie bei einer Kontoüberziehung mit Ihrer Bank über die Höhe der Zinsen und des Überziehungsrahmens und überlegen Sie gemeinsam, wie Sie ein allzu großes Minus abdecken können“, rät die AK.

Auf einen Blick: Erste-Hilfe-Tipps der Konsumentenschützer bei Zahlungsproblemen 

  • Bank kontaktieren: Reden und verhandeln Sie bei ersten Zahlungsproblemen sofort mit Ihrer Bank, Bausparkasse, Leasinggesellschaft oder einem die Forderung betreibenden Rechtsanwalt oder Inkassobüro. Eine große Bausparkasse bietet etwa ihren KundInnen ein „Corona-Schutzpaket“ an: Auf Antrag des Kunden werden beim Bauspardarlehen sechs Monate nur die Zinsen bezahlt – die Kredittilgung wird in diesem Zeitraum ausgesetzt. Vereinbaren Sie neue Zahlungsmodalitäten. Je früher, desto besser – um hohe Mahnspesen und Verzugszinsen zu vermeiden! 

  • Zahlung stunden: Wenn Sie die Kreditrate stunden lassen, ist das zwar hilfreich, aber Achtung – die Zinsen laufen im Normalfall weiter! Das bedeutet: Im Hintergrund kann der offene Saldo eines Kredites kräftig in die Höhe schießen. Es ist ratsam, mit verringerten Raten zumindest die anfallenden Zinsen abzudecken. Sie könnten auch einen Zinsenstopp auf Zeit vereinbaren. 

  • Zinssenkung verhandeln: Besprechen Sie bei hohen Schulden eine Zinssenkung, einen Zinserlass oder ein Aussetzen der Zinsverrechnung bei Ihrer Bank, etwa bei Verzugszinsen.  

  • Schulden sind nicht gleich Schulden: Wenn Ihnen die Schulden über den Kopf wachsen, dann wenden Sie sich an eine staatlich anerkannte Schuldnerberatungstelle (in Wien: www.schuldnerberatung-wien.at). Vorsicht vor Kredithaien oder sogenannten Finanzsanierungsunternehmen: Immer wieder versuchen via Internet unseriöse Anbieter ihre Kreditsanierungsprodukte an Frau/Mann zu bringen. und die Gutgläubigkeit auszunutzen.   

Tipp

FAQs und Tipps zu Zahlungsproblemen unter www.jobundcorona.at

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