19.7.2018

AK Erfolg bei Gutscheinfristen

Die Einlösung von Gutscheinen wird von Unternehmen oftmals nur für einen befristeten Zeitraum zugestanden. Grundsätzlich gilt jedoch: Gutscheine bleiben dreißig Jahre lang gültig. Eine Einschränkung bedarf einer sachlichen Rechtfertigung.

Haben Sie die Frist zur Einlösung Ihres Gutscheines verpasst? Dies bedeutet keineswegs automatisch, dass damit jeglicher Wert verloren geht. „Grundsätzlich verjährt das Recht einen Gutschein einzulösen, erst nach dreißig Jahren“, so Konsumentenschützer Martin Goger.

Unter gewissen Umständen kann die Ver­jähr­ungs­frist aber verkürzt werden. Für eine Verkürzung braucht es jedoch gute Gründe: Je kürzer die Verfallsfrist, desto triftiger muss der Rechtfertigungsgrund sein. Ist die Beschränkung dem Grunde nach nicht sachlich gerechtfertigt bzw. zumindest nicht im gegebenen Umfang angemessen, muss Ihnen daher die weitere Einlösung gewährt bzw. der Gutscheinwert erstattet werden.

Musterbrief

Geld zurück für abgelaufenen Gutschein - nutzen Sie unseren Musterbrief, um Ihre Rechte einzufordern.

AK klagte: Kurze Frist ist grobe Benachteiligung!

„Dieser Gutschein ist gültig ein Jahr ab Kauf, vorbehaltlich Ver­fügbarkeit.“ Das stand auf den Urlaubsgutscheinen, die das Unternehmen Best Case Handels GmbH über eine Inter­net­platt­form vertrieb.

Die AK hat geklagt und vom Obersten Gerichtshof (OGH) Recht be­kommen: Die Klausel ist rechtswidrig – die kurze Frist eine grobe Be­nach­teil­ig­ung. 

Der OGH hat sich an der bisherigen Judikatur orientiert, wonach eine Verfallsfrist von einem bis zwei Jahren in der Regel als zu kurz angesehen wurde. Der OGH hat auch besonders darauf hin­ge­wies­en, dass das Unternehmen eine Benachteiligung des Gut­schein­er­werb­ers verhindern hätte können – möglich etwa durch eine Rück­zahl­ung des Kaufpreises. „Konkret bedeutet das: Es kann eine kurze Verfallsfrist durchaus vereinbart werden, wenn der Kon­sum­ent nach Ablauf dieser Frist sein Geld zurückerhält“, so Goger.

Interessant: Das Unternehmen argumentierte, dass mit dem Kauf der Gutscheine besonders günstige Leistungen (Übernachtungen) erworben werden konnten. Durch die günstigen Gutscheinpreise würde die mit der kurzen Frist einhergehende grobe Be­nach­teil­ig­ung der Gutscheinkäufer ausgeglichen. Dieses Preisargument hat die Gerichte jedoch nicht überzeugt. „Nur weil Gutscheine billig ge­kauft werden können, heißt das nicht, dass die Frist für die Ein­lös­ung der Gutscheine besonders kurz bemessen werden kann“, schluss­folgert Goger.

Noch eine weitere Klausel ist rechtswidrig

Die AK hat noch eine weitere Klausel angefochten: „Etwaige Ge­währ­leist­ungs­an­sprüche sind vom Konsumenten direkt an den Leistungspartner zu richten.“ Für die AK ist die Klausel rechtswidrig – auch hier hat sie Recht bekommen. Falls der Gutschein vom Partner­unternehmen nicht akzeptiert wird, muss der Verkäufer da­für einstehen, also die Internetplattform.

Muster­briefe

Unsere Vorlagen für Ihre Korrespondenz

Links

Kontakt

Muster­briefe

Unsere Vorlagen für Ihre Korrespondenz

Das könnte Sie auch interessieren

Frau erhält Paket vom Lieferanten © thodonal, stock.adobe.com

Unseriöse Praktiken bei „Donau­land“ gestoppt

Die AK ist gegen die Firma Donau­­land wegen deren Geschäfts­praktiken vor Gericht gezogen und hat einen Erfolg erzielt.

Kostenfalle Ping-Anrufe

Das Telefon läutet, jedoch nur ganz kurz und die Rufnummer hat eine ausländische Ländervorwahl? Dann sollten die Alarmglocken schrillen.

Man sieht die Hände einer Frau, in der linken hält sie ein Flugticket, mit der rechten tippt sie auf einer Notebooktastatur. © Rawpixel.com, stock.adobe.com

AK Erfolg gegen Kiss&Fly

Wir haben die AGB geprüft und sind auf 69 rechtswidrige Klauseln gestoßen. Zur Rückforderung der Servicegebühren haben wir einen Musterbrief erstellt.

  • © 2021 Bundesarbeitskammer | Prinz-Eugen-Straße 20-22 1040 Wien, +43 1 501 65

  • Impressum
  • Datenschutz